Eric Tholomé, Product Management Director für Entwicklerpodukte bei Google, machte in seiner Keynote zu Beginn des spannenden Tages klar:
"Google loves technology"
Die Steigerungsraten des Developer Days bestätigen Google in seinem Engagement vor allem für Web- und mobile Technolologien. Kamen 2007 zum 1. Entwicklertag in Hamburg "nur" rd. 120 "Techis", stieg die Zahl der Teilnehmer ein Jahr später in München bereits auf rd. 500. Zum diesjährigen Developer Day hatten sich sogar 2.000 Interessenten angemeldet, 900 mussten aus Platzgründen zu Hause bleiben. Die internationale Roadshow machte zuvor bereits in Tokio und Sao Paulo Station, nach München gefolgt von Moskau und Prag.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus München war für mich der Dreiklang von Googles Geschäftsmodell. Man kann es zusammenfassen mit den Themen
- Technologien (Google Code)
- Suchdienste (Google Search) + Webdienste (Google Apps) sowie
- Werbenetzwerk (Google Ads)
Die Grundlage aller geschäftlichen Aktivitäten - von kostenlosen, werbefinanzierten Privatkundendiensten bis kostenpflichtigen Geschäftskundenangeboten - basiert auf den Technologien. Allein auf Google Code sind aktuell rd. 100 verschiedene Technologiethemen gelistet, die sich in die Bereiche
- Werbung (AdWords, AdSense, AdMob, DoubleClick + MediaAds)
- Browser (Chrome, Web Apps, Web Store, Google TV u. a.)
- Geodienste (Earth, Maps, Maps Mobile, Latitude u. a.)
- Mobile (AdMob, AdSense, Analytics u. a.)
- Suche (Web, Blogs, News, Bilder, Videos, Bücher, Patente u. a.)
- Social (Blogger, Buzz, Kalender, Kontakte, Friend Connect, iGoogle, OpenSocial, Orkut, Picasa, SideWiki, Talk, Wave, YouTube u. a.) sowie
- Labs (AdSense + Analytics for Mobile, Base Data, Cloud Print, Finance Data, Power Meter, Storage u. v. a.) gliedern.
Während Googles Suchdienste ausgereift sind und mit neuen Themen wie Diskussionen, Echtzeitsuche, Lokale Suche und Statusupdates (aus Facebook, Twitter & Co.) weiter diversifiziert werden, dehnt sich der Suchmaschinengigant unter dem Begriff Google Enterprise zunehmend mit professionellen Webdiensten aus. So wunderte es mich denn auch nicht, dass der Developer Day einen eigenen Track zum Thema Cloud Computing anbot. Im Mittelpunkt standen dabei die Google Apps für den professionellen Einsatz, die bereits von 3 Mio. Unternehmen genutzt werden.
Mit einer eigenen Seite zum Thema Vertrauen und Sicherheit zeigt Google, wem man "an die Wäsche" will. Umfangreiche Zertifizierungen und Datenschutzabkommen zielen auf kleinere, mittlere und große Unternehmen, die bislang vor allem bei IBM oder Microsoft Kunden waren. Interessant ist die Vorstellung des Container-Konzepts von Googles Data Center, das ich bereits von Googles "Ziehmutter" Sun Microsystems kenne, zu finden bei YouTube:
Hinter den Aktivitäten steht das Ziel, zusammen mit Partnern wie CapGemini die Arbeitsplatz-Infrastrukturen von Kunden gegen die Cloud-Services von Google Apps abzulösen. Die Argumente dafür sind u. a.
- Zusammenarbeit von Mitarbeitern (Kollaboration)
- Schnelligkeit bei Einrichtung neuer Arbeitsplätze (<30 Minuten) und
- Kostenreduzierung (30-50% geringere Supportkosten)
Google wird (auch) zum Business-IT-Anbieter. Und das muss Google auch!
Der amerikanische Blogger und Tech-Evangelist Rob Scoble schreibt in einem aktuellen Blog-Beitrag, welche Innovations-Schwächen Google plagen und zum Problem werden könnten.
Thema Globalität:
- Google-Produkte werden an großen Wettbewerbern gemessen. Deshalb kann Google neue Produkte nicht nur mit einigen wenigen Funktionen ausliefern. Folge: Google bringt meist Services mit umfangreichen Funktionen. Nicht immer funktionell.
- Google Dienste müssen auf allen Plattformen und in allen Sprachen laufen. Denn Google bietet seine Produkte rund um den Globus für unterschiedliche Nutzer-/Gruppen an. Die globale Entwicklung bedeutet nicht immer perfekte Dienste.
- Google kann keine inoffiziellen Tests mit Freunden machen. Damit fehlen Google passionierte Anwender außerhalb der Company, die Fehler finden und zurückmelden. Google muss auf Grund seiner Position diese Arbeit generell selbst erledigen.
- Google kann Produkte nicht erst promoten und dann die Infrastruktur aufsetzen. Deshalb fehlen Google die Enthusiasten, die funkelnagelneue Produkte ausprobieren und in die Welt zu tragen. Googles Beta-Tests können das "Lean Startup" nicht ersetzen.
- Neue Google-Produkte haben hohe Öffentlichkeit und Kommunikation zur Folge. Das bedeutet: Unzählige E-Mails sind zu beantworten und Mulitplikatoren zu betreuen. Das frisst erhebliche Ressourcen, die anderweitig sinnvoller eingesetzt werden könnten.
Thema Strukturen:
- An Google-Projekten arbeiten grundsätzlich größere Teams, beim "gescheiterten" Kollaborationstool Google Wave waren es allein rd. 30 Mann. Aber: Desto größer ein Team ist, desto ineffizienter sind die Lösungen. Gründe: Höherer Abstimmungsbedarf und viele Meetings.
- Google-Entwicklungen laufen grundsätzlich auf der App Engine. Diese gewaltige Plattform ist für kleine Entwicklungen - z. B. mit MySQL und Ruby on Rails - nicht ausgelegt. Das macht die Entwicklung kleiner, feiner Tools schwerer.
- Neue Google Produkte können nicht mit Facebook verknüpft werden. Dadurch können Freunde von Usern nicht einfach eingeladen werden und die Verbreitung neuer Services wird gehemmt. Google müsste Gebühren für die Integration zahlen.
Einen wesentlichen Beitrag dazu liefern tausende Entwickler, denen Google mit der App Engine und dem Projekt-Hosting Arbeitsplattformen, mit APIs die erforderlichen Schnittstellen und mit einem offenen Zugang zu quelloffenen und lizenzkostenfreien Ressourcen einen einfachen Einstieg in die Entwicklung von Google Produkten Erweiterungen ermöglicht.
Das Rückgrat von Google sind die Developer - und ihre (Vor-)Liebe zu coolen Technologien.
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