Donnerstag, 26. Januar 2012

WhatsUpp?

Bei den Mobilfunkern dröhnen die Alarmsirenen im Dauerbetrieb. Der Grund: Mit der Nutzung des Internets via handlicher Smartphones drohen die angestammten, hoch lukrativen Geschäftsmodelle, allem voran mobile Telefonie und Kurznachrichten-Versand, wie Strohhalme einzuknicken. In dieser Woche erzählt Telecom-Profi Holger Schmidt im konservativen Focus den letzten DAUs (Dümmste Anzunehmende User), wie man seinem Provider ein Schnäppchen schlägt.

Schuld an der Misere ist die technische Entwicklung. Angefangen hat alles mit Apples iPhone Mitte 2007 - in der 5. Generation nach wie vor der unangefochtene "Innovationsführer". In Schwung gekommen ist der Trend mit Googles Android Phones ab 2009 - mit über 50% Marktanteil das erfolgreichste mobile Betriebssystem weltweit. Allein Android und iOS decken mehr als 80% des Marktes ab - und ihre Apps verbreiten sich millionenfach.

Immer schneller, immer weiter, immer höher

Dazu kommt der rasante Ausbau der mobilen Datennetze auf UMTS mit zunächst 384 Kbit/s und HSDPA mit 3,6 bzw. 7,2 Mbit/s (3G). Mit dem jüngsten Trend zu LTE-Netzen (4G) mit bis zu 50 Mbit/s wird der Druck auf die "Big Four" in Deutschland nicht geringer. Und der nächste Schritt zu LTE-Advanced ist auf der Leitmesse MWC in Barcelona bereits vor einem Jahr angekündigt worden.

Mobile Apps - Horror der Mobilfunk-Branche

Zunächst droht es den SMS-Versand zu erwischen, gefolgt von Telefonaten via Handy. Was mit dem heute zu Microsoft gehörenden Skype auf PCs und Notebooks begann, wird mit Facebook Messenger, WhatsApp, WindowsIM, Viber und den herstellerexklusiven Services von Blackberry Messenger bis iMessage zum Horror einer ganzen Industrie. Insider der Branchenriesen zucken selbst mit den Schultern, nicht zu wissen, wie Sie damit umgehen sollen.

Von Android und iOS vor sich her getrieben

Das Internet fragt nicht, bevor es das Geschäftsmodell von E-Plus, Telefonica, Telekom und Vodafone verändert. Ob Niederländer, Spanier, Deutsche oder Briten es wollen oder nicht - millionen eifriger App-User auf Android-Phones, Blackberrys, iPhones + Co. zeigen den Mobilfunk-Netzbetreibern die lange Nase. Dabei kostet es nur einen Klick auf eine der beliebten Apps z. B. im Android Market oder im Apple App Store, und schon sind die Einnahmen der Mobilfunker - trotz attraktiver Flatrates und Dumping-Preisen - im Eimer.

Das mobile Dreigestirn rückt immer näher

Laut Focus ist der SMS-Umsatz in Deutschland in den vergangenen 5 Jahren um satte 1 Mrd. Euro auf 2,8 Mrd. € eingebrochen. In den kommenden 3 Jahren soll's nochmal auf 2,1 Mrd. € in den Keller gehen - was großzügig gerundet eine Halbierung in 8 Jahren bedeutet. Mit einem Bekanntheitsgrad von bis zu 57% knabbern vor allem Facebook Messenger, Skype und WhatsApp auf den mobilen Betriebssystemen am SMS-Geschäft der Mobilfunker.

WhatsApp: Weil einfach einfach einfach ist

Mit 49% Nutzerquote bei Smartphone-Usern geht vor allem WhatsApp durch die Decke. Kein Wunder: Mit der Installation liest der ursprünglich fürs iPhone entwickelte Service einfach das Adressbuch aus und listet alle App-User im Bekanntenkreis übersichtlich auf. Facebook erfordert hingegen die Präsenz im Netzwerk und eine Anmeldung an der App, Skype verlangt sogar einen Account mit extra Nutzer-Name, um mit anderen skypen zu können. 

Vom iPhone zum Liebling aller mobilen User

Allein unter Android schafft es der Martkführer WhatsApp auf 486.000 positive Bewertungen mit 4,5 von 5 Sternen. Und auch unter iOS bringt es WhatsApp auf 4,5 Sterne - bei mehr als 47.000 positiven Beurteilungen. Jeder User, der sich mit unausgereiften SMS-Funktionen in seinem Handy einmal ärgern musste, setzt nach dem Kennenlernen von WhatsApp die Latte hoch. Lediglich der Newcomer Viber hat die Chance, hier mitzuhalten.

Der nächste Schauplatz ist längst da!

Auch Viber liest das Telefonbuch aus und listet alle Freunde und Bekannten auf, die den Service nutzen. Während WhatsApp als Web-Chat lediglich die SMS-Funktion einsammelt, traut sich Viber auch an die Telefonie. Ist man wie sein Gesprächspartner via UMTS oder WLAN eingebucht, kanns mit einem Klick losgehen. Damit greift Viber das Geschäft mit Kurznachrichten und Telefonaten an - und dies für Android wie fürs iPhone. Die eigene Rufnummer dient einfach als ID.

Jeder Kontakt, jederzeit, überall erreichbar

Beide Apps - WhatsApp wie Viber - nutzen das eigene Telefonbuch. Und darin sind u. a. alle Facebook- und Google-Kontakte, Linkedin- und XING-Kontakte sowie GMX- und WEB.DE-Adressen zusammengefasst. Mit den cleveren Messengern wird jeder Kontakt aus jedem Adressbuch jederzeit und überall erreichbar. Eine händische Synchronisation oder eine Differenzierung zwischen beruflichen und persönlichen Kontakten gehört der Vergangenheit an.

Win Phone - die FDP der Betriebssysteme 

11,8 Millionen Deutsche kauften im vergangenen Jahr ein Smartphone, die meisten griffen zu Android- oder iOS-Geräten - und die werden von allen Adressbüchern und allen Messengern uneingeschränkt unterstützt - im Gegensatz zum gehypten Apple-Vorgänger Blackberry, zur FDP unter den Betriebssystemen, Windows Phone, oder dem ewig Gestrigen der Mobilfunk-Branche, Symbian, Doch während Microsoft, Nokia und RIM noch nach der Zukunft suchen, sind die App-Entwickler schon einen Schritt weiter.

Der Video-Club der üblichen Verdächtigen

Nach Chat und Telefon lauern Apple, Facebook, Google und Skype bereits um die Ecke, um mit der Video-Telefonie den nächsten Step zu unternehmen, und damit Handy-Telefonaten endgültig den Garaus zu machen.. Innovator Apple preschte mit Facetime als Erster nach vorn. Die Videocalls sind jedoch nur unter iPhones und iPods ab 4. Generation oder via Mac möglich. Da haben es User der anderen Services deutlich besser:

Runde 3: Google vs. Facebook vs. Skype

Mit Hangout bietet Google jedem Google+-Nutzer unter Android und iOS einen mobilen Videochat an. Da jeder Google-User (z. B. GMail-Nutzer) künftig Google+ haben wird, ist nichts leichter, als einen Videochat zu starten. Facebook wird mit seinem - zusammen mit Skype entwickelten - Videochat nachziehen, wenn die Mobilfunknetze auf 4G - sprich LTE - laufen. Skype selbst bietet bereits heute Videocalls über 3G (HSDPA) und WLAN an, sowohl für Android als auch fürs iPhone.

Die Mobilfunker vor der Herausforderung

Seit dem Durchstarten des iPhones im Jahr 2008 ist der Umsatz der vier Mobilfunker beim mobilen Internet von 3,2 auf 4,4 Mrd. € - und damit um rd. 1/3 - gewachsen. Die einzige Sparte mit Zuwachsraten wird - so der Focus - in den kommenden 2 Jahren erneut um 50% auf dann rd. 6,6 Mrd. € klettern. Schmelzen die verkauften Telefon-Minuten (Air Time) einschl. Flatrates dahin, müssen sich die Mobilfunker jedoch was Neues einfallen lassen.

Rich Communication Suite - enhanced

Der Konsolidierung von Text (SMS), Sprache (Telefon) und Bild (Video) auf das Internet-Protokoll (TCP IP) haben die Mobilfunk-Netzbetreiber kaum etwas entgegenzusetzen. Ob Telefonica, Telekom und Vodafone mit ihrer aktuell angekündigten "Rich Communication Suite enhanced" (RCS-e)  den Trend abbremsen können oder als "Dumb Pipes" - sprich dumme Transportkanäle - enden, bleibt fraglich. Schließlich handelt es sich bei RCS-e lediglich um ein Stück Software für Android, iOS + Co. Und das können andere auch... kostenfrei.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Mode trifft Mobile: Karl mit Äpfeln im "Web"

Er hat allein 4 iPhones für Freunde, Partner und Kunden - allesamt mit seinem Konterfei. Er hat um die 20 iPads - 20 elektronische "Tagebücher" für jeden Zweck. Er hat unzählige iPods - für jede Musik-Periode von Lunch bis Dinner einen Eigenen. Karl Lagerfeld liebt Technik, weil Sie zu unserer Zeit gehört - und er nutzt sie ... so speziell wie sein Leben nun einmal ist.

Vor Kurzem gab er auf der Bühne der internationalen Technologie-Konferenz "Le Web" dem Moderator einen tiefen Einblick - in sein Fotoalbum, seine Videosammlung, in sein "Mobile Life". Allein in der Woche vor der "Le Web" drehte er mit dem iPad 4 Clips u. a. für Channel - präsentiert auch in Paris.

 


Im Laufe des Talks konfrontierte der Moderator Karl Lagerfeld mit dem weltberühmten Spot "Think Different" von Apple aus dem Jahr 1997. Darin ehrt Apple die Rebellen, die Idealisten, die Visionäre, die Querdenker, die, die sich in kein Schema pressen lassen, die, die Dinge anders sehen, die sich keinen Regeln beugen. Und die man nicht ignorieren kann, da sie die Welt verändern:
 
Karl antwortete auf die Frage, warum er z. B. das iPad wie ein Zeichenblock als Grafik-Tablet nutzt. Seine Antwort: Man kann Neues ausprobieren, aber man sollte nicht Unwichtiges machen. In diesem Sinne:

Ein tolles, neues, verrücktes, anderes, unangepasstes 2012!

Sonntag, 27. November 2011

... with people you like.

Heute Vormittag habe ich mir die Zeit genommen, und den YouTube-Service in meinem Sony Bravia-TV ausprobiert. Abgesehen von der unpraktischen Stichwortsuche via Fernbedienung war ich begeistert, am Sonntag-Vormittag  in meinem Schlafzimmer eine kleine Weiterbildungsreise absolvieren zu können.

Eric vs. Larry + Eric

In den vergangenen Wochen hatte ich mir u. a. Videos der Googler Eric Schmidt und Larry Page gebookmarked. Während mich bei Stanford-Absolvent Larry interessierte, wie er als (neu) im Rampemlicht stehender CEO von Google die Welt, aktuelle Technologien und seine Company sieht, wollte ich Berkeley-Absolvent Eric screenen, wie er nach der Neuordnung des Google-Topmanagements auftritt.

 Networked Computing

Um es vorweg zu nehmen: Eric ist nach wie vor der souveräne Präsentator, der mit diplomatischem Geschick die Bühnen der Welt bespielt, so auch die diesjährige Keynote-Arena der Dreamforce - dem jährlichen "Familientreffen" von Salesforce in San Francisco. Im Interview mit Co-Founder und Salesforce-CEO Marc Benioff zeigt Eric auf, dass das Cloud-Zeitalter mit Software- und Platform-as-a-Service eigentlich von Sun Microssystems Anfang/Mitte der Achtziger mitbegründet wurde.  

Auch wenn die von mir geliebte Company Sun es damals nicht schaffte, durch einen offenen Ansatz Solaris zum "Global Leader" werden zu lassen, Nachfolger wie Apples Mac OS oder Googles Android auf Basis von Unix und Linux lassen Sun's Leistung im angemessenen Licht erstrahlen. 

Besonders interessant fand ich Erics Bewertung, warum es erfolgreiche Companies so schwer haben, wenn neue Konkurrenten um die Ecke kommen. Als bekannte Issues wurden im Talk mit Marc Benioff u. a. Novells Betriebssystem Netware, Microsofts Betriebssystem Windows oder die geschlossenen Betriebssysteme der Handy-Hersteller erwähnt. Eric antworterte darauf:

"When it moved and you don't move into it very quickly, you get very hard to get raise."

Companies wissen, dass Sie etwas ändern müssen, tun es aber nicht - mit Rücksicht auf bestehende Kunden oder zum Schutz ihrer jetzigen Organisation. Dabei gefährden sie genau damit ihre Zukunft und im Endeffekt ihre Existenz. Eric lobte als Positivbeispiel den 2-maligen Komplettumbau von Apple durch Steve Jobs.


Auch der 2. von mir promotote Talk beschäftigt sich mit Veränderungen in Unternehmen, Dieses mal sind es Eric und Larry, die auf dem diesjährigen Google-Partner-Forum Zeitgeist in Paradise Valley über die Entwicklung des Suchmaschinen-Riesen sprachen.

Larry brachte in einem Satz zum Ausdruck, wofür die Tech-Company aus Mountain View steht:
"We love to build technologies, that people loves to use it."

Wichtiger als die (vordergründige) Werbebotschaft ist für mich, dass Google - im Gegensatz zu altherrgebrachten Firmen - seine Technologien, seine Angebote und damit sein Business rund um die Nutzer aufgebaut hat. Dies gilt, so Eric Schmidt auf der Dreamforce, für Geschäftsbeziehungen mit Endverbrauchern (Consumer) ebenso wie mit Unternehmen (Enterprise)!

Der Wechsel an der Spitze von Google soll Co-Founder Larry Page in Zukunft ermöglichen, schnelle Entscheidungen zu treffen und diese konsequent im Unternehmen umzusetzen. Und damit genau jenes Problem zu verhindern, an dem Sun, Novell und Microsoft zu kämpfen haben bzw. hatten.



Zu guter Letzt: Eine der Kernaussagen, warum Eric Schmidt nach traditionellen Companies wie Sun und Novell seit 2001 die "verrückten Techis" von Google unterstützt, kann ich nur unterstreichen:

"Life is short. You should spending time for work with people you like."

Mehr ist nicht zu sagen.


Dienstag, 6. September 2011

Digital is NOW: Am Beginn der Inhalte-Revolution


"Das Internet fragt nicht, bevor es Ihr Geschäftsmodell verändert"

So pointiert der visionäre Berliner Software-Unternehmer Bernd Völcker die Veränderungen durch die Digitalisierung aller Lebensbereiche. Sein jährlicher Infopark Internet-Kongress iico.de gilt neben der DLD Conference von Hubert Burda in München, der NEXT Konferenz von SinnerSchrader und der re:publica von Spreeblick und newthinking in Berlin ein renommierter Treffpunkt der Online-Branche zu sein.

Auf der halbstaatlichen Berlin-Brandenburger Medienwoche anläßlich der IFA 2011 im ICC Berlin scheint von den dramatischen Umbrüchen noch nicht jeder etwas mitbekommen zu haben. Anders kann ich die Auftakt-Keynotes von Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner an diesem Montag kaum interpretieren - leider.

Die Verlagsbranche: "Pleite oder doppelt so glücklich"

Während Kohl- und Merkel-Vertrauter Neumann über die Aufgaben des (Staats-)Rundfunks mit oder ohne Tagesschau-App seniert, träumt Friede Springers "Ziehsohn" Döpfner von der 'Süddeutschen Allgemeinen Welt', die mit Freemium-Seiten, General- und Special-Interest-Apps auf dem iPad sowie Kompakt- und Spezialformaten den Auflagen-Einbruch überleben soll. Doch die Wahrheit ist dramatischer:

Döpfner selbst lässt am Ende der Auftakt-Podiumsdiskussion die Katze aus dem Sack: Entweder man ist als Marke bekannt - oder nicht. Im App-Business sind Zeitungen, Fernsehsender und andere Medien(marken) austauschbar. Seine BILD-Digital-Geschäftsführerin Donata Hopfen spitzt es im Track "Mobile First" weiter zu: "Wir sind alle in einem Haifisch-Becken unterwegs." 

Prof. Dr. William Uricchio, Medienwissenschaftler und Vordenker am MIT in Boston, sieht die Entwicklung - freundlich pointiert - als "Ringen um die Zeit und das Geld" der Nutzer. Der Buchautor nimmt in seiner Keynote in Berlin kein Blatt vor den Mund: "Die Medienindustrie hat nicht länger ein Monopol auf Inhalte und deren Verbreitung."  Die Kirche als Beispiel für das gemeinsame Erlebnis vor Augen, zieht  Uricchio diesen Vergleich:

"Das Erfolgsmodell ist nicht, eine Bibel zu abonnieren."

Bislang stellten sich Verlage zwischen Leser und Werbetreibenden, sammelten von beiden Seiten das Geld ein, spitzt Ken Doctor, News Industries Analyst das alte Geschäftsmodell am zweiten Konferenztag zusammen. Mit 1/3 der digitalen Werbeerlöse kontrolliert Google den Online-Werbemarkt. Mit AOL, Google, Facebook, Microsoft und Yahoo! kontrollieren 5 Großkonzerne 63% der globalen Umsätze aus digitialer Werbung, schüttet Doctor den Verlegern einen kräftigen Schluck Wasser in den Wein.

Seit 2007 gelten die "Economics of Transitions"

Doctor, Autor des Bestsellers "Newsonomics"  stellt in 12 Thesen dar, warum Döpfner & Co. mehr als nur ein Problem haben, und das trotz 12-14 Minuten gestiegenen Lesezeiten für Nachrichten im Web. Neue Mitspieler wie Steve Jobs, neue Geräte wie Smartphones, neue Kanäle wie Twitter und neue Geschäftsmodelle wie Freemium sorgen seit rd. 5 Jahren für einen immer schneller werdenden Umbruch.

Die Spitze des Eisbergs: "Es passiert schneller und schneller."

Am Beispiel Twitter warnt William Uricchio, dass Werbeetats einen schlechten Film heute nicht mehr retten können, ein millionenschweres Projekt innerhalb eines Tages in der Versenkung verschwinden kann. Nach rd. 130 Jahren zentralisierter Medienindustrie mit Urheberrechten und 'Kultur aus der Box' stehen wir am Beginn der 'Inhalte-Revolution'.

Drei Faktoren sind für den - auch in Utrecht lehrenden - Querdenker entscheidend:
  • Partizipation
  • Story Telling und
  • Transmedia.
Der Amerikaner sieht als gutes Beispiel für Beteiligung jenseits kostenpflichtiger Urheberrechte die Creative-Commons-Lizenzen. Am Ende des Tages gehe es schließlich um das Erzählen von Geschichten - im Fernsehen wie in allen anderen Medien. Social Media sind für Uricchio dabei "ein Weg, die Begeisterung der Leute zu gewinnen."

Ken Doctor ergänzt in seinen Ausführungen das Online-Nutzerverhalten und sich daraus ableitende Geschäftsmodelle für alte und neue Medienseiten:
  •   5-10% sind zahlende Abonnenten
  • 10-15% sind registrierte Stammleser
  • 75-80% sind anonyme Gratiskonsumenten
Das Tablet - die Verbindung von analog zu digital 

Wenn man den Lobeshymnen der "Digital-Macher" aus deutschen Verlagen glauben schenken darf, werden uns vor allem Apps die kommenden 10 Jahre als Allheilmittel der angeschlagenen Content-Industrie verfolgen. In Tablets sieht auch Ken Doctor ein wichtiges Instrument beim Übergang in die digitale Welt, nennt Pads ein "point-like replacemnet". David Rowan, Chefredakteur der britischen WIRED umschreibt die mobile Entwicklung mit

"You take your Social Graph with you."

Neben Smartphones und Tablet-PCs steht "Mobile" für den renommierten Journalisten und Blogger auch für Musik, Videos, Spiele und eben den Kontakt mit "Freunden".  Nur zwei Faktoren sind im Mobile-Business dabei ausschlaggebend fürs Geld verdienen:
  1. "Ego Boosts" (Self-Promotion)
  2. "Hook ups" (Meet People for adventures)
Der Schlüssel, um mobil - also mit Apps - Geld zu verdienen, ist laut Rowan das Community-Building. Er schreibt den - zumeist deutschen Zuhörern der Medienwoche - ins Stammbuch: "Everyone is for graph now."

"Keep innovating - rethink your revenue-stream"

Hört man den deutschen "Digital-Machern" aus den Verlagen genau zu, sind die von BILD, TV Movie & Co. verteilten Inhalte gedruckt, online und mobil doch wieder nahezu identisch. Genau das ist für Medienwissenschaftler Uricchio kein transmediales Geschäftsmodell. Und Onlineexperte Rowan fordert, den bisherigen Revenue-Stream zu überdenken.

Zwei eher am Rande Beteiligte geben in Berlin den alten Geschäftsmodellen sogar einen beherzten Todesstoß. Für Christian Frankenstein, Gründer und Vorstand der MME Moviement  AG, "atomisieren" sich die alten Vertriebswege gerade. René Schuster, CEO des Telekommunikations-Anbieters Teléfonica Germany, sieht "Pushing Content auf dem letzten Weg".

"Disruption is the new norm. Disruption is just begining."

In einer Welt, in der Social Media, News und Games auf den Top-Plätzen um die Gunst der mobilen Nutzer buhlen, in einer Zeit, in der "Discount-Journalismus" von "Qualitäts-Anbietern" kostenpflichtig gegen Gratis-Anbieter wie Facebook, Google und Twitter antritt und in einem Wettbewerb von (halb-)staatlicher Tagesschau-App und Seite-1-Mädchen zum Schütteln (BILD-App) gilt es, die Realität nicht zu vergessen. Und die lautet: 

Im "Digital Moment" gibt es keine "eierlegende Wollmilchsau" - gerade im Kontext der Convergence von Smartphones, Tablet-PCs, Smart-TVs und Companies, die ihre Angebote über verschiedene Kanäle adressieren wollen. Nichts ist in der neuen, digitalen Welt wirklich "sicher", sagt David Rowan.

Alte wie neue Anbieter können sich nur auf die Seite der Nutzer schlagen und "Design for humans" betreiben. Dabei hilft ihnen vielleicht der Dreiklang aus Social, Local und Mobile - kurz "SoLoMo" -, wie ihn der VC-Spezialist John Doerr von KPCB als globalen Trend ausgemacht hat, auf den die Geschäftsmodelle von Groupon bis Foursquare aufbauen. Vielleicht werden aber auch diejenigen zum "Hero", die uns allen echte Probleme lösen.

Samstag, 14. Mai 2011

Eric Schmidt: "Jetzt ist die Zeit des Internets"

Am Freitag-Abend war es mal wieder soweit: Googles Vordenker Eric Schmidt berichtete erneut in Berlin, wie sich die Welt online entwickeln wird. Nach seinem Debüt an der Humboldt-Universität im Februar d. J.  setzte der IT-Topmanager an der American Academy zunächst die Google-Charmoffensive ggü. Deutschland fort.


Dabei sprach Schmidt im Kontext des "modernen Deutschlands" von einer "Erfolgsgeschichte der westlichen Welt", die auf der starken Exportwirtschaft, der niedrigen Arbeitslosenrate (und damit dem allgemeinen Wohlstand) und der Rolle Deutschlands in den Finanzmärkten beruht. Nun gut...


Dreh- und Angelpunkt seines gut 30-minütigen Vortrags am Hans-Arnold-Center im Berliner Vorort Zehlendorf war jedoch das Thema Internet - selbstverständlich in Verbindung mit den mobilen Trends rund um Googles Betriebssystem Android. Eine der entscheidenden Schlüsselaussagen von Eric Schmidt an diesem Freitag-Abend in Berlin lautete:


"Jetzt ist die Zeit des Internets - und sie beginnt gerade."


OFFEN: 


Am Beispiel der Ägyptischen Protestbewegung und der Zusammenarbeit von Google und Twitter, nach der staatlichen Abschaltung des Internets am Nil dem Protest per Telefon eine Stimme zu geben, baute der Google-Visionär einen Dreiklang:

      • über Facebook werden Proteste organisiert
      • über Twitter werden Proteste koordiniert +
      • über YouTube wird es der Welt mitgeteilt.

Ja, da ist was dran. Auch, weil sich die drei genannten Netzwerke bzw. Dienste zu globalen Meta-Angeboten entwickelt haben. Damit platzierte Schmidt in Berlin den ersten seiner drei Spiegelstriche, wie die "digitale Zukunft" gebaut werden kann, nämlich

      • Offen
      • Fair und sich
      • Günstig entwickelnd

FAIR:


Eric Schmidt prophezeite den Zuhörern in Berlin, das praktisch alles digital bzw. virtuell werden wird. Als Beispiel nannte der Google-Boss das Museums-Projekt u. a. mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Ergebnis: Die beteiligten Museen aus aller Welt haben durch das Projekt mehr Aufmerksamkeit und damit mehr Besucher denn je.


Die "Fairness" des Internets unterstrich der Google-Lobbyist vor allem mit dem Zweiklang aus wirtschaftlichen + sozialen Einflüssen. Standen Informationen früher lediglich Eliten zur Verfügung, werde der nächste Shakespeare aus einer Region kommen, die wir noch nicht einmal kennen.


Der wirtschaftliche Erfolg im Internet - so Schmidt - hat soziale Auswirkungen, die u. a. für eine zufriedenere und sicherere Gesellschaft sorgen. Das Erfolgsmodell von Marktwirtschaft und Demokratie.


GÜNSTIG:


An dieser Stelle wurde der langjährige IT-Experte ziemlich deutlich. Eine seiner für mich interessantesten Aussagen vor Mitgliedern und Gästen der Academy war:


"Das Internet wird der einzige große Werttreiber für die wirtschaftliche Entwicklung."


So entwickelt sich die Internetwirtschaft Großbritaniens bereits stärker als traditionelle Branchen, wie die Bau- oder die Transportindustrie auf der Insel. Auch in Frankreich wird das Web zum Wachstumsmotor und schafft mehr Arbeitsplätze als alle anderen Industrien der Grand Nation.


Und wo sieht sich Google?


Wo immer die Informationen der Welt herkommen werden - sei es online oder mobil: Google kümmert sich um die Wertung und Bereitstellung. Dabei sieht sich der "Webriese" in der Funktion eines Gestalters. Ein Musterprojekt auf diesem Weg ist u. a. das Selbsfahr-Projekt von Google, von dem es neue Videos bei YouTube gibt.


Schmidt ging zu guter Letzt auf die Konvergenz ein und schrieb der IT-Industrie ins Stammbuch, dass die aktuelle Entwicklung rund um das Internet primär nichts mehr mit Technik zu tun hat - auf Grund der immer größeren Leistung bei gleichzeitiger Kostenreduktion. Schmidt fasste es schlicht mit "Sheep + Power" zusammen. Dazu passen auch die künftigen Chromebooks.


Zeit, sich den spannenden Vortrag persönlich anzuschauen. Auch um zu erfahren, was es mit den rd. 1-2 Mio. "digitalen Vorreitern" auf sich hat, die in den kommenden 2-5 Jahren den Takt vorgeben werden - jederzeit, überall, in jeder Sprache:

Live-Stream 13.05.2011 (2 Teile)



Watch live streaming video from americanacademy at livestream.com




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Donnerstag, 24. Februar 2011

Mobile First - Where the scale is, where the groth is, where the action is.

Im Januar schrieb der scheidende Google-Chef Eric Schmidt auf dem DLD-Kongress in München der Medienbranche ein paar unangenehme Wahrheiten ins Stammbuch. Dabei sprach er direkt aus, dass das Internet so gut wie alle Geschäftsbereiche verändern wird. Umso spannender war für mich jetzt, ob er sein fundamentales Statement "Mobile First" auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona und einen Tag später an der Humboldt-Universität in Berlin noch einmal toppen würde.


Er konnte - und er tat es: Nach der Entwicklung des Mainframe und der Nutzung des PC sieht Schmidt den 100%gen Wandel auf mobile Geräte. Damit untermauerte er vor der versammelten Weltspitze der Mobilfunkbranche in Barcelona die künftige Bedeutung von Smartphones und Tablets. Mit einem Schlüsselsatz brachte er für mich auf dem MWC auf den Punkt, wohin die Reise geht:


"The smartphone is the destination for the next generation of games, apps, social connectivity - all things we care about."

Und er unterstrich seine Position mit der Tatsache, dass Geräte in unserer Tasche wesentlich interessanter werden, wenn Sie mit der "Cloud" verbunden sind. Mit der Einführung von LTE im Laufe des Jahres sagte der Informatiker eine neue Generation von Apps und Diensten auf Smartphones voraus. 

Als Beispiele nannte er in Barcelona erstmals Games in Verbindung mit zahlreichen jungen Startups - ein Punkt, der für Android wichtig werden wird. Wie auf dem DLD in München fokussierte Schmidt auch auf das Thema Gesundheit, verbunden mit dem Beispiel des Rund-um-die-Uhr Check-up, um Menschenleben zu schützen. Ein Schwerpunkt gehörte seiner diesjährigen Keynote auf dem MWC aber dem Thema Video.

Zum Einstieg zeigte Schmidt auf der Weltmesse des Mobilfunks "Mobile Studio" - eine neue Video-Schnitt-Software für Tablets mit Android 3.0 "Honeycomb". Mit der Präsentation demonstrierte ein Google-Mitarbeiter, wie man sich die Zukunft vorstellt: durch eine schnelle und einfache Bearbeitung von selbst aufgenommenen Fotos und Videos - passend zum künftigen Top-Thema. Dabei hat Google das Geschäftsmodell nicht nur im Hinterkopf. Um dies zu erkennen, hier die von Eric Schmidt vorgestellten Daten zur YouTube-Nutzung:
  • 35 Stunden Video-Uploads - jede Minute
  • über 2 Mrd. Video-Abrufe - jeden Tag
  • 96 Mio. mobile Video-Abrufe - jeden Tag
  • Fokus auf professionelle Partner-Kanäle auf YouTube
In Berlin konkretisierte er die Entwicklung: Alle traditionell verbreiteten Kanäle - wie Fernsehen und Video - werden verschwinden. Und als Content in einem einzigen Kanal - dem Internet - zusammenwachsen und fortbestehen. So werden wir diesen Content von unseren Smartphones, Tablet-PCs und über den Fernseher abrufen - z. B. von YouTube und über Android in Google TV. Die bisherigen Unterschiede zwischen den Medien, mit denen wir aufgewachsen sind, werden laut Schmidt nicht mehr lang existieren.

Das Google das künftige Geschäftsfeld "Videos" nicht der "Apfel-Fraktion" überlassen wird, untermauerte Eric Schmidt in Barcelona mit der Kernaussage

"Mobile ist a core platform in what we do."

Die aktuell in Barcelona vorgestellten Zahlen zur schnellst wachsenden Mobilfunk-Plattform in der Welt - Android - bestätigen ihn dabei:
  • über 170 verschiedene Android-Geräte im Markt
  • 169 Mobilfunk-Provider in 96 Ländern
  • 25 OEM-Partner für Android in Autos u. a.
  • mehr als 300.000 neue Aktivierungen pro Tag
  • über 150.000 Apps im Market - mehr als Verdreifachung in 9 Monaten
  • Verzehnfachung der Suchanfragen über Android
Noch im Januar prophezeite Eric Schmidt den Siegeszug mobiler Geräte in 2 Jahren! Seine Top-News in Barcelona und Berlin: Smartphone-Verkäufe haben Anfang Februar d. J. die PC-Verkäufe überrundet! Es bleibt also spannend - und lohnenswert, sich die aktuelle Keynote aus Barcelona und den Auftritt in Berlin persönlich anzuschauen. Nicht nur auf Grund künftiger Dienste, wie der automatischen Navigation, die uns nach einem feucht-fröhlichen Abend sicher im Auto nach Hause fahren wird...




Mittwoch, 2. Februar 2011

What ever you are doing - do it "Mobile First"

Eric Schmidt, scheidender CEO von Google, sprach auf dem DLD-Kongress Mitte Januar in München über die Chancen des aktuellen Technologie-Jahrzehnts - in Bezug auf Computerarchitekturen, Konsumentenangebote und die Monitarisierung. Schmidt betonte einmal mehr, dass Computer zu einem Gebrauchsgut werden und uns bei all jenen Aufgaben unterstützen, die wir machen wollen. Schon heute finden sich Menschen weltweit zunehmend über Smartphones - und nicht mehr über den PC. Für Schmidt vergleichbar mit dem Beginn des Handyzeitalters Anfang der Neunziger.


Mit einem Blick auf die "Generic Natives" verwies er darauf, dass die nach 2000 Geborenen heute praktisch rund um die Uhr online sind. Die "mobile Revolution" - von Schmidt auf dem MWC 2010 in Barcelona mit "Mobile First" pointiert -  dreht sich um Erreichbarkeit, um örtliche Nähe, um gemeinsame Aktivitäten und um die Verbindung untereinander. Als Konsequenz erwartet Schmidt, dass alle Geräte mit einem Prozessor online gehen müssen, um interessant zu sein und zu bleiben.


Damit war der langjährige Top-Manager bei Googles Erfolgsgeschichte rund um Android auf Smartphones und Tablet-PCs - mit weit über 300.000 neu eingecheckten Geräten pro Tag, 145 verschiedenen Devices bei 169 Mobilfunk-Carrieren in 96 Ländern. Schon in 2 Jahren wird der Absatz von Smartphones + Co. größer sein, als der von Notebooks und PCs. Die Nutzung des Internets auf mobilen Geräten wächst im direkten Vergleich 8 mal schneller, als die Nutzung des Internets auf PCs Mitte der Neunziger. 


Ein wichtiger Treiber für den Erfolg des mobilen Internets ist laut Schmidt die von Schweden und Deutschland federführend promotete LTE-Technik. Sie ist Voraussetzung für das neue Top-Thema Video-Telefonie, das er für 2012 ankündigte. Ein weiteres Thema, dass durch Mobile Devices erst möglich wird, ist die Echtzeit-Kommunikation in über 50 Sprachen - wie sie Google Translate auf Android Phones bereits anbietet.


Wie in seiner Keynote auf der IFA 2010 in Berlin hob Schmidt auf die Identifikation und Beschreibung von Bildern hin, wie Sie mit Google Goggles möglich ist. Als weiteren interessanten Anwendungsbereich erwähnte er die Möglichkeit, per "Ferndiagnose" die Gesundheitsdaten von Patienten checken lassen zu können und damit eine neue Ära im Gesundheitswesen einzuläuten - schneller, zuverlässiger und kostengünstiger. 


All dies ist durch die Kombination von leistungsstarken Mobilen Endgeräten, Netzwerken und Supercomputern heute möglich. Eric Schmidt verwies darauf, dass die Idee von "Information at your fingertips" bereits 1995 von Microsoft-Gründer Bill Gates anlässlich der Markteinführung von Windows 95 auf der CeBIT in Hannover präsentiert wurde. Jetzt werden die Visionen durch die technischen Möglichkeiten Realität.


Als Fazit hob der Google-Chef hervor, dass die neuen Möglichkeiten uns persönlich die besten Ergebnisse bieten, in Sachen Content und Kontext - von der Syntax zur Symatik, von Worten zu deren Bedeutung - als persönlicher Service. Mit unserer Zustimmung per Login. Andererseits verändert das Internet ein Geschäftsmodell nach dem anderen - aus Sicht des Technologie-Managers der größte Umbruch seit mehr als 100 Jahren. Alte Industrien - z. B. der Medienvertrieb - würden nicht verschwinden, müssten sich jedoch erneuern.


Als positive Seite des Wandels nannte Eric Schmidt die Chance, jetzt Millionen von Nutzern jederzeit und überall zu erreichen. Dies sei die Chance für neue Geschäftsmodelle - mit jedem einzelnen User, mit Millionen Nutzern jeden Tag. In einem Satz: "The scale of the world". Dabei sind die Kosten - z. B. für die Distribution von Medien - durch die heutigen Technologien extrem niedrig.


Insgesamt ist die heutige Zeit aus Sicht von Schmidt erst der Anfang von etwas Neuem - nicht das Ende einer Entwicklung. Wir sollten bereit sein, uns an die alltäglichen Dinge von Computern erinnern zu lassen und sie einfach zu vergessen, da unsere Smartphones - mit unserer Genehmigung - nichts vergessen. Dabei können wir nicht mehr verloren gehen, da wir mit unseren Freunden jederzeit verbunden sind. 


Die Vision, die Informationen der Welt  zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen, wird Realität. Für jeden von uns, jederzeit, per Fingertip - und in jeder Sprache. Ein Prozess, der weit über das Thema Mobile hinaus geht und bis in die Poitik reicht. Eine spannende Keynote!


Montag, 31. Januar 2011

Von Social Media zu Social Business

Was kommt nach Social Media? Werden wir uns auch in 2 Jahren "nur" mit Facebook und Twitter beschäftigen? Und wie werden Social Media Plattformen und Tools in Unternehmen und Organisationen eingebunden?


In meinem Beitrag Whats the NEXT BIG THING? Ende Dezember '10 habe ich dazu ausführlich den aktuellen Stand der Dinge aufgeschrieben. Hier nur die weitergehenden Folien zum Nachlesen. Viel Spaß! 


Montag, 3. Januar 2011

Kommunikative Wertschöpfung - sozial, online, persönlich.

Im Frühjahr 2010 erarbeitete ich im Rahmen eines Social-Media-Projekts die folgende Matrix zur kommunikativen Wertschöpfung. Ich habe die Matrix zum Vertrauensbildungsprozeß im Geschäftsleben jetzt aktualisiert. Viel Spaß beim Studieren und ich freue mich auf Euer Feedback:


Donnerstag, 30. Dezember 2010

Whats the NEXT BIG THING?

Zum Jahresende habe ich mal meine kleine Glaskugel ausgepackt und schaue ein wenig in die digitale Zukunft. Vor 4 Wochen begann ich, interessante Gedanken bei Catch zu sammeln, die mir nicht mehr aus dem Kopf gingen und gehen. Als Visionär stelle ich mir die Frage:


Was ist das nächste "große Ding" im Web?


Nach dem steilen Aufstieg der Webfirmen ab 1998 und dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende, der Entwicklung von Sozialen Medien ab 2002, deren Hype mit Blogs und YouTube ab 2005 sowie dem Siegeszug der neuen Generation Smartphones durch das iPhone ab 2007 komme ich zu dem Ergebnis: Der Drops ist noch lange nicht gelutscht!


Um in die Zukunft schauen zu können, sollte man zunächst zurückblicken, was uns zu unserem heutigen Ausgangspunkt gebracht hat. Also unternehme ich an dieser Stelle einen kleinen Exkurs in Datenverarbeitung. Lassen wir die PC-Hardware-Pioniere Apple (AppleI/II ab 1976) und IBM (IBM-PC ab 1981) außen vor und kommen gleich zur Software:


Das Fenster-Prinzip


Unsere heutige Art und Weise, mit Computern zu arbeiten, geht auf das WIMP-Paradigma des Stanford Research Institutes aus dem Jahr 1968 zurück, das aus Fenstern (W), Symbolen (I), Menüs (M) und Pfeilen (P) besteht. Im XEROX PARC wurde es in den 70er-Jahren weiterentwickelt und schließlich in Microsoft Windows ebenso wie in Apples MacOS eingesetzt. Mit Windows 3.1 begann 1992 der Siegeszug auf PCs und in Firmennetzwerken.


Der Weg ins Internet


Parallel begann die Vernetzung von Computern über Standorte hinweg: 1985 wurde in Virginia die Firma Quantum Computer Services gegründet, die einen grafischen Onlinedienst für Commodore 64-Nutzer anbot. Drei Jahre später benannte sich die Firma mit dem Ziel um, Amerika online zu bringen. Die Firmen-Domain AOL wurde zum Inbegriff des Internets und brachte ab 1995 Nutzer per Einwahlverbindung und Modem ins Netz.


Das Leben ist Suche


Nachdem wir mit Computern im Internet unterwegs waren, gingen wir auf die Suche - nach Informationen, Bildung und Unterhaltung. 1995 begannen erstmals zwei Stanford-Studenten, uns die Suche zu erleichtern und gründeten... Yahoo! Nachdem uns der Katalog nicht mehr reichte, stiegen wir auf AltaVista um, die erste Volltext-Suchmaschine mit eigenem Ranking, das Schlagworte und Textschnipsel indizierte. 1999 wechselten wir schließlich zu einer besseren Suchmaschine zweier anderer Stanford-Studenten... zu Google.


Das soziale Netzwerk


Spätestens seit 2008 ist für Google die Welt nicht mehr in Ordnung: Ausgerechnet ein Harvard-Student macht den Stanford-Jungs das Leben schwer - durch Facebook. Mit mehr als 600 Mio. Usern weltweit und rd. 15 Mio. Nutzern in Deutschland hat Mark Zuckerberg seine Vorgänger MySpace (Nr. 1 bis 2008) und Friendster (Nr. 1 bis 2004) auf die Plätze verwiesen. Am 15. November 2010 lies Zuckerberg die Katze aus dem Sack: 


Mit Facebook Message will er die Kommunikation der Welt (neu) organisieren, indem
  • asychrone Konversationen via Mail und Chat sowie
  • synchrone Konversationen via Video und Timeline
  • in einer zentralen Social Inbox gebündelt und
  • überall personen- und rechtebezogen bereitgestellt werden.


Nach der Diversifikation der elektronischen Kommunikation setzt Zuckerberg auf die Zentralisation der Dienste an einem Ort. Genau dazu muss die Welt bei Facebook sein. Und genau deshalb gibt sich Skype alle Mühe, als Video-Chat auf mobilen Endgeräten präsent zu sein.


Die Kollaboration!


Mit Ankündigung von Facebook Message klingelte es bei mir. In der Kommunikationslehre folgt auf bereitgestellte Informationen die Verständigung darüber - sprich Kommunikation -, gefolgt von der Verabredung einer Zusammenarbeit - der Kollaboration. Wenn Google die Informationen der Welt organisiert und Facebook die Kommunikation zusammenführt, 


wer bringt uns die Kollaboration im Web?


Längst werden E-Mail, Kalender und Aufgabenliste als zentrale, webbasierte Services zum Standard. Aus Adressbüchern werden Communities bei XING, Linkedin oder Facebook, die sich zu Projekten im Netz zusammenschließen. Dokumente werden im Netz bereitgestellt, mittels Lese- und Schreibrechten organisiert und gemeinsam in Echtzeit bearbeitet. Einen gute Übersicht dazu hat der Lotus-Manager Stephan Pfeiffer Anfang November '10 in seinem Blog veröffentlicht.


Zusammen arbeiten


Nach dem kritiklosen Anbeten von Technik kommen wir zurück zum Ursprung allen Erfolgs – der Zusammenarbeit von Menschen. Schließlich ist 'Business nichts anderes als ein Knäuel menschlicher Beziehungen', wie der langjährige Ford- und GM-Manager Lee Iacocca feststellte. Die späte Einsicht wird möglich durch die Nutzung von Sozialen Netzwerken im persönlichen Umfeld. Die Grundlagen sind gelegt - und allgemein anerkannt. Der Australier Paul Wallbank hat dazu eine schöne Präsentation bei Slideshare veröffentlicht:




Hype oder Meta-Trend?

Unabhängig von meinen Gedanken kommen die Marktforscher von Gartner und Forrester in ihren aktuellen Forecasts bis 2011 bzw. 2013 zu dem Schluss, dass Social Collaboration ein Meta-Trend wird. Statt Technik stellen die Annahmen die Zusammenarbeit der Beteiligten in den Mittelpunkt. Ein bereits durchs Dorf gejagder Begriff ist das Enterprise 2.0 - einschl. Projektmanagement, Wissensmanagement und ganzheitlicher Kommunikation.


Von WIMP zu SLATES


Harvard-Professor Andrew P. McAfee fasst bereits 2006 darin die Möglichkeiten der sozial-vernetzen Welt (vormals Web 2.0) vergleichbar zu WIMP (s. o.) in einem neuen Paradigma zusammen - SLATES. Die "Schiefertafel" steht für die Abkürzung aus offener Suche (Search) verlinkter Informationen (Links), der einfachen Bearbeitung (Authoring) und Verschlagwortung (Tagging) von Informationen sowie dem Wiederfinden durch automatische Vorschläge (Extensions) und verknüpfte Hinweise z. B. via RSS (Signals). 


Über Grenzen hinweg


Ergänzend zum SLATE-Prinzip schaue ich mir den klassischen Ansatz von Collaboration-Software an. Dieser geht von grenzüberschreitender Kommunikation, Kollaboration und Koordination aus, nämlich
  • über IT-Architekturen hinweg (Online)
  • über räumliche Distanz hinweg (Mobil)
  • über zeitliche Distanz hinweg (Echtzeit)
  • über Zustände hinweg (Synchron)
  • über Aufgaben und Gruppen hinweg (Rechte) und
  • über Daten-Formate hinweg (Webtechnologien)


Damit haben wir alle Rahmenbedingungen für das Teilen, Bearbeiten und Bereitstellen von Informationen einschl. Austausch und Abstimmungen zusammen. Das Ganze räumlich, zeitlich, inhaltlich, personell und technisch unabhängig.


Social means Business


Nicht nur für Unternehmen steht naturgemäß die Wertschöpfung aus den Aktivitäten im Mittelpunkt. Also fehlt in der Collaboration noch eine Differenzierung nach verschiedenen Bezugsgruppen. Auf itinsider.com findet sich ein viergliedriges Modell - vorgestellt von Susan Scrupski. Die vier vorgestellten Elemente sind
  • das dezentrale "Eco-System" - für die Optimierung von Geschäftspartnern
  • das dezentrale "Hive Mind" - für die Zusammenarbeit in Arbeitsgruppen
  • das de/zentrale "Dynamic Signal" - über einzelne Nutzergruppen hinweg und
  • der zentrale "Metafilter" - für die Beteiligung von Kunden und Partnern


Die Altimeter-Group geht in ihrer Analyse noch einen Schritt weiter und kommt zu einem fünfgliedrigen Modell. Auf Seite 6 stellt Jeremiah Owyang die Elemente vor:


Im Kern unterscheidet der Analyst zentrale und dezentrale Ausgangspunkte sowie zentrale und dezentrale Knotenpunkte (Hubs) und die Bienenwabe (Honeycomb). Nahezu 70% der monitorten Organisation setzen danach auf zentrale Strukturen.



Google, IBM, Microsoft?


Wer kann die unterschiedlichen Anforderungen bündeln? Können die Big Player mit Google Apps for Business, IBM LotusLive und Microsoft Office 365 diesen Job übernehmen? Ich glaube nicht. Denn um ganz hoch zu fliegen, muss man ganz unten anfangen, also bottom-up - nicht top-down. So wird es eher ein neuer Dienst sein, der bei Privatanwendern startet, um später ins Business "upzugraden". Außerdem werden wir Deutschen es wohl schwer haben, vorn mitzuspielen, denn wir sind zu detailverliebt, zu langsam und zu ängstlich. Faktoren, die dem Lean Startup entgegenstehen.


Die aktuellen Kandidaten


Themenorientiert könnte es Amazee werden, für eine globale Plattform fehlt jedoch der übergreifende Ansatz. Auch Chatter von Salesforce ist ein Kandidat, leider jedoch für Jedermann verschlossen. Ein Kandidat mit ganzheitlichem Ansatz ist Fla.ag - ebenfalls nur für Firmen gedacht. Eine weitere "Wollmilchsau" ist Groupsite - mit einem Top-down-Ansatz für Companies. Ein spannender Ansatz ist das deutsche Skillnote, dass mit Facebook, Google und Twitter-Usern funktioniert. Allerdings schielen die Macher schon nach kostenpflichtigen Abos.


Offen + gemeinsam 


Vielleicht ist es eine ganz neue Plattform, die die bekannten Ansätze konsolidiert, wie es einst Google mit Yahoo! und Facebook mit MySpace machten. Schließlich bekommt die 2. Maus den Käse. Wahrscheinlich wird es ein Service mit offenem Ansatz werden (nach Microsoft (geschlossen), Google (offen) und Facebook (geschlossen). Der Dienst könnte sogar schon gegründet sein - irgendwo im Sun Valley - bei Stanford um die Ecke. Apache/Google Wave wird es wohl eher nicht, obwohl die Idee sehr cool ist - aber vielleicht einfach zu früh.


Ergänzung:


Mittlerweile habe ich mir Lotus Connection von IBM angeschaut. Ich muss meine Meinung revidieren - die Richtung von Connections ist aus meiner Sicht richtig. Hier eine Demo im Video: